"Die Leute sagen immer: Die Zeiten werden schlimmer.
Die Zeiten bleiben immer.
Die Leute werden schlimmer."
(Joachim Ringelnatz)
Das Ende eines Weges
"Der Tod ist das Tor zum Licht
am Ende eines mühsam gewordenen Weges."
(Franz von Assisi)
Hände, die sich zu Fäusten ballen, sich öffnen und suchend über die Bettdecke streichen. Arme, die sich in die Höhe, dem Himmel entgegenstrecken. Augen, riesengroß geöffnet, die an die Zimmerdecke starren. Suchend, hoffend. Was erwarten sie zu sehen? Augen, auf mich gerichtet. Fragend, bittend, um Verzeihung bittend? Augen ins Nichts gerichtet, zuckend im Schmerz, sich vor Müdigkeit verschließend. Lippen, Silben formend, hauchend. Dann letzte klare Worte: “Bald haben wir es geschafft.“ Unruhe, die den Körper zu fahrigen Bewegungen zwingt. Fäuste, die nicht loslassen wollen. Atem, ganz leise, kaum wahrnehmbar und plötzlich wieder röchelnd erschreckend. Atem, der still steht, um dann doch wiederzukehren. Endlich wird der sichtbare Körper ruhiger, scheint sich zu entspannen, sich dem Weg fügend. Die Augen wie im Schlaf geschlossen, der Kopf zur Seite ins Kissen geneigt. Der Atem steht still. Der mühsame Weg ist zu Ende. Erleichterung scheint das Minenspiel zu entspannen.
Das Sterben meiner Mutter hat mich mehr berührt, als ich gedacht hatte, vor allem mehr als ich zulassen wollte. Das Abschiednehmen ist noch nicht vorbei. Ich habe noch ein Stück zu gehen.
(März 2025